Arbeitsgruppe Gymnocalycium
Hans Till



16.12.1920 – 24.1.2012


Hans Till,
Der Gründervater der Arbeitsgruppe Gymnocalycium ist tot


Am Abend des 23.1.2012, mitten in der Arbeit an einem neuen Artikel über Gymnocalycien, verstarb unser lieber Kakteenfreund Hans Till im 92. Lebensjahr.
Der gelernte Gärtnermeister Till wurde schon in seiner frühesten Kindheit von seinem Vater, einem Uhrmacher, für Pflanzen begeistert. Von ihm erhielt er seine ersten Echinopsis Hybriden und auch sein Volksschullehrer begeisterte ihn für Kakteen. Von diesem Lehrer erhielt er in den 1920er Jahren einen Spross eines Gymnocalycium denudatum, welcher der Grundstein für seine Liebe zu den Gymnocalycien war. Mit 10 Jahren machte Hans Till seine ersten Aussaaten von Kakteensamen. Nach einer Lehre als Gartenarchitekt, seinem Kriegseinsatz während des 2. Weltkrieges, seiner Hochzeit mit Rosa 1946 und der schwierigen Nachkriegszeit, konnte er erst in den 1960er Jahren sich wieder intensiv mit Kakteen beschäftigen. 1964 erfolgte die Gründung seiner eigenen Gärtnerei am Attersee und schon bald begann er seine genauen Pflanzenbeobachtungen zu publizieren.

1970 beschrieb Walter Rausch zu seinen Ehren das rot blühende Gymnocalycium tillianum. Hans Till setzte sich in dieser Zeit immer mehr mit der systematischen Bearbeitung der Gattung Gymnocalycium auseinander. Die Klassifikation der Gattung Gymnocalycium anhand von Samengruppen war ihm ein besonderes Anliegen, welches durch die Beschreibung des Subgenus Pirisemineum 1985 internationale Beachtung fand. Schon früh suchte er Kontakt zu allen international bekannten Kakteenforschern wie Backeberg, Buxbaum, Schütz, Fric, Rausch und vielen anderen, mit denen er in regem Erfahrungsaustausch stand. In den 1970er Jahren war Hans Till über mehrere Jahre Vorsitzender der oberösterreichischen Landesgruppe. Die Nachwuchsarbeit für das Kakteenhobby war ihm bis ins hohe Alter sehr wichtig. Mit seiner liebenswürdigen Art konnte er Jung und Alt für Kakteen begeistern und so manche Kinder erhielten von ihm ihren ersten Kaktus, der natürlich meist ein Gymnocalycium war.

Der Gymnocalycien Spezialist Till publizierte in seinem Leben an die 140 Beiträge in verschiedenen Fachzeitschriften. Davon beschäftigte er sich allein in 60 Publikationen ausschließlich mit der Neubeschreibungen und Validierungen innerhalb der Gattung Gymnocalycium. 2001 erfolgte dann seine viel diskutierte Neuordnung der Gattung. Da die Publikation eines eigenen Buches über Gymnocalycien nicht nur kostspielig, sondern auch dem aktuellen Wissensstand bald nicht mehr gerecht werden konnte, wurde 1987 die Idee einer periodisch erscheinenden Fachzeitschrift geboren. 1988 trug er maßgeblich zur Gründung der „Arbeitsgruppe Gymnocalycium der Österreichischen Kakteengesellschaft“ bei, die seit diesem Jahr die Zeitschrift „Gymnocalycium“ weltweit publiziert. Zwischen 1987 und 1996 bereiste er insgesamt 5 Mal die Heimat seiner geliebten Gymnocalycien.

Sich selbst bezeichnete Hans Till im September 2010 einmal als Logiker der immer versuchte historische Zusammenhänge bei Pflanzenbeschreibungen - wie örtliche Begebenheiten, Berufe und Interessen der Feldforscher usw. - zu analysieren. „Ich schließe die Augen und versuche mich in die damalige Zeit zu versetzten“, erklärte er uns. Nun hat Hans Till seine Augen für immer geschlossen. Unser Mitgefühl gilt seinen 4 Kindern und deren Familien.


Er wird für uns immer Lehrmeister und menschliches Vorbild bleiben.



Mag. Ulf Marx

Arbeitsgruppe Gymnocalycium

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